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DEFAULT : Museumsnacht
28.09.2011 21:05 (3405 x gelesen)

 

   Spannende Museumsnacht



Leiter der Einrichtung wusste lebendig aus der Geschichte der Insel Pellworm zu berichten

"Ist das die lange Anna?" fragten Gäste bei ihrem ersten Pellworm-Besuch Walter Fohrbeck. Der Leiter des Inselmuseums, stilecht zur Museumsnacht in das Kostüm eines Nachtwächteres gehüllt, verkniff sich ein Grinsen und antwortete höflich: "Nein, das ist der Turm der Alten Kirche, das Wahrzeichen unserer Insel."

Fast 35 Besucher waren zur Museumsnacht gekommen und lauschten den Erzählungen des Pellwormers über historische Hintergründe und "Dönkes" der Heimatgeschichte, die sich diesmal hauptsächlich um die Alte Kirche und deren Turm - mit vielen Geheimnissen und noch einigen offenen Fragen drehte.

Von weitem kann der Betrachter fast den Eindruck gewinnen, als ob der Turm natürlich gewachsen sei. Bei näherem Betrachten allerdings ist zu erkennen, dass er von Menschenhand erschaffen wurde. Fohrbeck: "Der Turm war ein eigenständiges Gebäude, Teil der damaligen Kirche - eines äußerst imposanten Gotteshauses." Fachleute gehen heute davon aus, dass es eine große Dachhaube gehabt haben muss. Fertig gestellt wurde der Turm etwa um 1280. Aus alten Schriftstücken kann man erlesen, dass die Pellwormer sehr stolz auf ihre Kirche gewesen sind. "Wir haben den höchsten Turm - 11 Ellen hoch!" War es Stolz, "Angeberei" oder hatte es eine besondere Bedeutung? Woran lag es, dass der Turm um 1611 zerfiel und was half den Pellwormern, die Kirche zu erhalten und wieder aufzubauen? Walter Fohrbeck beschrieb anhand alter, originaler Aufzeichnungen dramatische Situationen. Die Kirche drohte nach dem Zerfall des Turmes weiter auseinanderzubrechen. Gewitzt, wie die Pellwormer so sind, fanden sie ein Argument, das ihnen in einer Bittschrift an den Herzog half, Unterstützung für ihr Anliegen zu finden. Die Kirche hatte nämlich um 1520 noch eine Orgel, die dann aber plötzlich verschwunden schien. Eine Dorfkirche am Ende der Welt - ohne Orgel? Das konnte ja wohl nicht sein. Was denn nun wirklich mit dem Instrument 1611 passiert ist und wie es schließlich zur Rettung der Kirche kam, auf all das hatte Fohrbeck fundierte Antworten. Ein spannender Abend, in einer gemütlichen Atmosphäre - die Besucher quittierten das besondere Erlebnis mit dankbarem Applaus.

Husumer Nachrichten, 17.09.2011
http://www.shz.de/artikel/article//spannende-museumsnacht.html?cHash=f8f299e880&no_cache=1&sword_list[0]=pellworm



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