*
Menu
DEFAULT : 300 Jahre
28.09.2011 21:02 (4310 x gelesen)

 

   300 Jahre alt und viel bewundert



Arp-Schnitger-Orgel auf Pellworm zählt europaweit zu den berühmtesten Instrumenten ihrer Art / Zwei Bücher zum Jubiläum herausgebracht

Die Arp-Schnitger-Orgel in der Alten Kirche St. Salvator auf Pellworm ist eine der berühmtesten Orgeln europaweit. Interpreten aus der ganzen Welt reißen sich darum, einmal auf diesem außergewöhnlichen Instrument spielen zu dürfen. "Wir haben jährlich bis zu 50 Anfragen", so Walter Fohrbeck vom Kirchenvorstand. "Leider können wir nicht alle berücksichtigen." In diesem Jahr dürfen sich die Musiker, die zum Zuge kommen, besonders glücklich schätzen, denn sie wirken an einem großen Jubiläumsprogramm mit: Die Pellwormer feiern nämlich den 300. Geburtstag "ihrer" Arp-Schnitger-Orgel.

17 Koriphäen an der "Königin der Instrumente" haben seit Mai anspruchsvolle Musikabende im Rahmen des Pellwormer Orgelsommers gestaltet. Sogar eine Organistin aus Brasilien gab sich die Ehre. Josineia Godinho aus Rio de Janeiro brachte internationale Barockmusk zu Gehör. Noch drei Veranstaltungen stehen an, bevor diese Jubiläums-Konzertreihe ihren Abschluss findet. Heute spielt Birgit Wildemann von Föhr ab 20.30 Uhr, am Sonnabend (10.) findet ab 11.30 Uhr eine Orgelmatinee mit Wolfram Beyer statt, und am Mittwoch (14.) setzen Matthias Janz (Orgel), Peter Stoldt (Barockposaune) und Frank Hieseler (Pauken und Schlagwerk) mit einem Konzert ab 20.30 Uhr den musikalischen Schluss-Akkord dieses ganz besonderen Orgelsommers auf Pellworm.

"Wo sind denn hier die besten Plätze?", fragen in der Regel die ersten Gäste eines jeden Konzertes. Und Walter Fohrbeck, der als großer Kunstliebhaber kein Konzert auslässt, weiß natürlich Bescheid: "Vor dem Quergang, da ist der Klang und das Volumen am besten." An diesem Abend ist ein Interpret aus den Niederlanden zu Gast: Peter Ouwerkerk. Er bezaubert das Publikum in der unbeschreiblich schönen Atmosphäre der Alten Kirche mit kraftvoll imposanten und leisen Tönen mit Werken von Johann Sebastian Bach, Georg Muffat, Giovanni Gabrieli, Georg Böhm und Nicolaus Bruhns. Die Lehrer des Virtuosen waren unter anderem Bernard Bartelink und Dr. Hans van Nieuwkoop. Nach seinem Orgel-Diplom 1995 vertiefte Ouwerkerk seine Kenntnisse in französischer Barockmusik, romantischer Musik sowie Musik des 20. Jahrhunderts bei Lehrern wie Jean Boyer (Lille) und Daniel Roth (Paris).

So wie die meisten anderen Interpreten auch war Peter Ouwerkerk zwei Tage vor dem Konzert angereist, um an der Orgel zu spielen, mit ihr alleine zu sein. Denn: "Es ist schon eine besondere Herausforderung, diesem Instrument meisterliche Tonfolgen zu entlocken", weiß Fohrbeck. Zum Beispiel fehlten der Orgel im unteren Bereich bestimmte Halbtöne. Die Organisten müssen sich damit auseinander setzen und die Stücke, die sie dem Publikum präsentieren wollen, in eine andere Tonart bringen. Fohrbeck: "Es ist schon spannend, an dieser Orgel zu spielen." Das besondere an ihr sei, dass sie aus einem Guss besteht, sich in einem sehr gutem Zustand befindet und restauriert ist. Dieses Instrument aus dem Jahre 1711 gehört zu den Spätwerken des Orgelbauers Arp Schnitger. Der Prospekt aus naturfarbener Eiche zeigt in seiner schlichten Geschlossenheit die künstlerische Vollendung barocken Orgelbaus. Zwei Manuale und ein Pedal erlauben das Anspielen von zehn Registern im Hauptwerk, sechs im Brustwerk und acht Register im Pedal. Schiebekoppel, Tremulant und zwei Zimbelsterne ergänzen die Register. Vier Blasebälge erzeugen den Wind, heute übernimmt das ein elektrisches Gebläse.

Die Stiftertafel hat ihren Platz an der Nordwand erhalten.

Seit 50 Jahren organisiert die Kirchengemeinde St. Salvator nun schon Konzertreihen wie diese. Einige der Interpreten sind "Wiederholungstäter". Seit über 30 Jahren kommen Prof. Ulrich Grosser - er hat auch die Restaurierung der Orgel als Fachberater begleitet -, Andrzej Chorosinski und Matthias Janz.

Anlässlich des Jubiläums wurde ein Buch mit CD herausgegeben: "Concerto - Musik für Trompete und Orgel in der Alten Kirche Pellworm". Es ist im Buchhandel und auf der Insel in der Touristinfo und in den Geschäften für 19,80 Euro erhältlich. Ein weiteres Büchlein, herausgegeben vom Kirchenvorstand, beschreibt die 300-jährige Geschichte des Instruments und die Hintergründe seiner Entstehung: "300 Jahre Arp-Schnitger-Orgel". Es liegt in den Pellwormer Kirchen aus und ist für fünf Euro zu haben.

Husumer Nachrichten, 07.09.2011
http://www.shz.de/artikel/article//300-jahre-alt-und-viel-bewundert.html?cHash=c1c8ee8ee3&no_cache=1&sword_list[0]=pellworm



Zurück Druckoptimierte Version Diesen Artikel weiterempfehlen... Druckoptimierte Version
Fusszeile
Benutzername:
User-Login
Ihr E-Mail